Historische Hintergründe

Laudaer Schützen in alter Zeit

Das Wort Schütze hat im Volke einen besonderen Klang. Der Schütze ist wehrhaft, naturverbunden, er liebt die Geselligkeit und den Humor. Darum hört man von ihm auch mehr in friedlichen Zeitläufen als in Kriegszeiten.

1344

Lauda wurde im Jahre 1344 Stadt.
Zu einer Stadt gehörte eine Befestigung,diese mußte im Ernstfall verteidigt werden. Die Bürger waren frei und durften darum Waffen tragen. Erst im Bauernkrieg verscherzten sich die Laudaer dieses Vorrecht, aber nur für kurze Zeit.

Schon 25 Jahre später finden wir in den alten Stadtrechnungen den ersten Hinweis auf ein Schützenwesen:

1551

5 Gulden den puchsen Schützen, so dies Jahr geschossen haben zur Verehrung.
(Die Zeit von Armbrust und Bolzen war schon vorbei, man schoss mit Pulver und Blei)

1554

Item 6 Gulden den 4 Heerbannschützen: Lorenz Versbach, Carl Hufnagel, Caspar Volkerth und Wolf Schmit gen Heidingsfeld beschieden, jedem 1 1/2 Gulden, Donnerstag nach Bonifazii. Item 13 1/2 Gulden den neun Heerbannschützen, darunter Hans Horbach, ein Hauptmann gewesen, Montag nach Urbani, jedem 1 1/2 Gulden.

(Heerbannschützen waren junge Männer, die in dem fränkischen Heerbann, den Kreisregimentern, Dienst taten, im Gegensatz zu den einfachen Schützen, die das Schiessen aus Liebhaberei betrieben.)

1555

Item 4 Gulden den Puchsenschützen zu einer Verehrung, so dieses Jahr geschossen haben auf Bevelch des Stadtrathes. Item 1 Gulden 6 Kreutzer Michael Schneider für das Hostuch, so der Rath uf das Schiessen zuvor neu hat gegeben. Item 1 Gulden 3 Kr für den Ritterschuss aus Bevelch des Amtmanns.
Item 1 1/2 Gulden den Schützen zur Einlag gelt, so uf das Schiessen gen Bischofsheim zogen sindt. Item 2 Gulden 6 Kr den Schützen, so uf das Schiessen gen Mergentheim zogen sindt.

1571

Item 1 1/2 Gulden den Schützen alhir für einen Hammel zum Besten geben als sie uf den Jakobusmarkt das Schiessen gehabt haben. Item 2 Gulden 6 Kr auch den Schützen zum Besten als die gen Mergentheim ufs Schiessen sein zogen.
(Die Stadt hat den Schützen große Unterstützung gewährt, wenn wir den Wert eines Hammels in Vergleich setzen. Das Schiessen spielte sich zwischen den Schützen der Städtchen ab.
Die Laudaer kamen von Mergentheim bis Freudenberg.)

1572

Item 4 Gulden den Schützen, so dies Jahr uns gemeiner Stadt Gewinngeschossen.
(Die Stadt hat also für das Jakobusschiessen einen Preis gestiftet, den die Laudaer Schützen gewonnen haben.)

1588

1 1/2 Gulden den Schützen so gen Grünsfeld uf das Schiessen gezogen, den 18.September, verehrt.

1606

12 Gulden auf Bevelch eines Erb.Raths den Musketieren und einfachen Schützen, sämtlichen zum Endtschiessen verehrt. 3 Gulden aus gehörtem Bevelch jenen Musketieren und einfachen Schützen zu ihrem frei und gesellenschiessen verehrt.

1608

12 Gulden den Musketieren und einfachen Schützen dies Jahr Zuvorschüssen geben, so beständige Ausgab ist.

1609

12 Gulden den Musketieren und einfachen Schützen dies Jahr Zuvorschüssen geben, so beständige Ausgab ist.

(Die Tradition hatte sich so verankert, daß die Stadt die Auslagen im voraus bezahlte)
2 Gulden sechs Bürgern alhier, welche gen Königshofen zu einem nachbarlichen Gesellenschiessen gingen zur Zehrung geben aus Bevelch eines Ehrb.Raths.

1610

12 Gulden dies Jahr den Musketieren und einfachen Schützen alhier Zuvorschüssen geben, so ein beständig Ausgab ist.

1611

Eine weisse, neue doppeltaffete Fahn mit St.Sebastiani Bildnis wird für die Stadtkirche beschafft.

1612

5 Gulden auf Bewilligung und Geheiß eines Erb.Raths den Schützenmeistern alhier, zu ihrem ausgeschriebenen und gehaltenen Gesellenschießen uf ihre fleißige Bitt, verehrt den 7.Oktober 1612

1613

Item Altar S.Fabiani und Sebastiani ist durch und durch von Bildern geschnitzt, dieses 1613 Jahr von Neuem gemacht worden.
(Aus all den vorausgegangenen Archiveinträgen geht hervor, daß das Schützenwesen damals in Lauda in hohem Ansehen stand und es ist anzunehmen, daß dieser Altar dem Patron der Schützen zu Ehren, in der Stadtkirche errichtet wurde, da ja die Pest erst wieder im 30 jährigen Krieg verheerend hier wütete.)

1671

26 Gulden hat man 42 Personen, welche zu Würzburg etliche Tage aufgewarth, als Ihr Churfstl.Gn. der junge Prinz aus Sachsen darinnen geweßt, haben einem jeden gemeinen Musketieren deren 40 ein halben und dann den 2 Offizieren einen ganzen Dahler verehrt.
(Mit diesem Höhepunkt in der Schützengeschichte versiegen auch langsam die Quellen. Im ganzen 17. und 18. Jahrhundert hallt das Taubertal wieder von Kriegslärm, Einquartierungen und Truppendurchzügen. Der Wein hatte es dem Kriegsvolk besonders angetan. Erst im 19. Jahrhundert lesen wir wieder von Schützen.)

1831

Kam der Großherzog Leopold von Baden in die Amtsstadt Gerlachsheim. Lauda hatte seit 1816 seine Ämter verloren, aber es hatte noch seine Bürgergarde. 3 1/2 Pfund Pulver werden in Tauberbischofsheim bezogen zum Schießen beim Geburtsfest und beim Empfang Sr. Königlichen Hoheit zu Freudenschüssen. 20 gulden werden der Musik und der Bürgergarde für ein Essen in Gerlachsheim bezahlt anläßlich der Huldigung des Großherzogs.

1845

Hat Lauda eine Schützengesellschaft. In diesem Jahr findet ein Preisschießen statt. Das Original der Einladung zu diesem Schießen befindet sich im Laudaer Heimatmuseum, ein Geschenk von Herrn Bankier Josef Münz.

1846

10 Gulden dem Schützenkorps für Paradierung bei verschiedenen Festlichkeiten, dem Hirschenwirt für Zehrung beim Einzug des Erzbischofs.

1848

Bricht in Baden die Revolution aus. Da wird man wohl die Waffen eingezogen haben, wie 1945 und wieder wird es still um das Schützenleben.

1866 und 1870

Nach den Kriegen 1866 und 1870 kommt durch die Eisenbahn neues Leben in die Vereine. Der Schützenverein Lauda ist somit neben der Feuerwehr, den Bruderschaften und den Zünften die älteste Vereinigung von Bürgern in Lauda und kann auf eine  450 jährige Tradition zurückblicken, die lückenlos wäre, wenn nicht die unseligen Kriege und Notzeiten dazwischen lägen.

(K. Schreck, Stadtarchivar 1966)

(Aus der Festschrift entnommen und überarbeitet: Harald Nuß, Vereinssportleiter 1999)